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Greven - Lange Zeit hat er die Strippen beim Reit- und Fahrverein gezogen. Jetzt hat Albert Sahle den Posten des Vorsitzenden an seinen Bruder Uwe übergeben. Im Gespräch mit WN-Redakteur Winfried Kitzmann begründet Albert Sahle, der zum Pressewart gewählt wurde, seinen Schritt, schaut noch einmal zurück und gewährt einen Blick in die Zukunft.
Der Reit- und Fahrverein St. Martin ist mit dem Namen Albert Sahle fest verbunden. Was hat Sie veranlasst, ihren Posten als Vorsitzender aufzugeben?
Sahle: Das war im wahrsten Sinne des Wortes Amtsmüdigkeit. Nach der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr fühlte ich mich ziemlich ausgelaugt und wollte einfach von großen Championaten nichts mehr sehen und hören. Daraufhin hatte sich mein Bruder Uwe bereiterklärt, für die kommenden Fahrturnier-Veranstaltungen die Leitung zu übernehmen. Damit diese von ihm übernommene Aufgabe mit der notwendigen Autorität ausgestattet wird, habe ich ihm nahegelegt, auch das Amt des Vorsitzenden zu übernehmen.
Worauf blicken Sie mit Stolz zurück?
Sahle: Ich habe mich immer in erster Linie für den Fahrsport eingesetzt und dabei die anderen Abteilungen ein wenig stiefmütterlich behandelt. Letztendlich ist es mir aber gelungen, den Reit- und Fahrverein St. Martin Greven-Bockholt zu einer internationalen Adresse im Fahrsport zu machen. 1987 sind wir mit Kutschenorientierungsfahrten angefangen. 22 Jahre später fanden auf dem Vereinsgelände die Weltmeisterschaften der Ponyfahrer statt.
Wie sieht es denn künftig mit Großereignissen, wie Deutschen Meisterschaften oder Weltmeisterschaften aus?
Sahle: Die neue Mannschaft hat das weiter vor. Für dieses Jahr allerdings wird der Verein neben dem Frühjahrs-Reitturnier vom 23. bis 25. April nur ein nationales Fahrturnier vom 18. bis 20. Juni ausrichten, da eine Verschnaufpause nach einem Jahrzehnt großer Championate angebracht ist. Aber schon für das kommende Jahr hat sich die neue Vereinsführung bereits wieder für eine Deutsche Meisterschaft beworben. Der Verein steht auf finanziell soliden Füßen. Wir haben eine Anlage, die weltmeisterschaftlichen Anforderungen in vollem Umfang gerecht wird. Mit dieser Hinterlassenschaft lässt sich gut arbeiten. Die Reputation bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung sowie beim Provinzialverband ist außerordentlich hoch. Wichtig allerdings ist, dass das ehrenamtliche Engagement weiterhin maßgebliche Stütze und eigentliche Triebfeder des Vereins bleibt, denn bei der Durchführung von großen Championatsturnieren ist im Vorfeld sehr viel ehrenamtlich zu organisieren. Die Durchführung selbst macht vielleicht nur noch ein Viertel der gesamten Arbeit aus.Wollen Sie denn selbst noch einmal sportlich angreifen?
Sahle: Ich habe in den vergangenen Jahren immer an acht bis zehn Turnieren teilgenommen. Im vergangenen Jahr waren es nur drei Turniere. Wenn ich wieder die ursprüngliche Zahl erreiche, bin ich zufrieden. Aber für mich bleibt es ein Hobby, an die deutsche Spitze reiche ich nicht mehr heran.
Sie haben Ihren Bruder als Nachfolger installiert. Heißt das, dass Sie hinter den Kulissen weiter Einfluss nehmen werden?
Sahle: Nein, ich werde auf keinen Fall Einfluss nehmen. Wenn ich jedoch helfen soll, stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung. Aber Uwe kann auch auf eine gute Mannschaft zurückgreifen. Seine Person hat zum Beispiel den Vorteil, dass sie auf unsere gemeinsame Sekretärin, Katrin Michaelis, zurückgreifen kann, die mir sowohl bei der Weltmeisterschaft der Fahrer mit Behinderung als auch im vergangenen Jahr bei der Weltmeisterschaft der Ponyfahrer maßgeblich zur Seite stand.
Ändert sich womöglich durch den Personalwechsel die Ausrichtung des Vereins?
Sahle: Ich weiß, dass Uwe sich auch in der Vergangenheit für das Reitturnier, das seit drei, vier Jahren wieder läuft, engagiert hat. Es kann durchaus sein, dass der Reitsport in der Zukunft besser behandelt wird als von mir. Da wird auch sicher der zweite Vorsitzende Bernhard Gerdemann, der den Reitsport repräsentiert, ein Wort mitreden wollen. Die beiden haben sich ja schon in der Vergangenheit gegenseitig unter die Arme gegriffen.
Im Fahrsport hat es den Anschein, als wollten Sie Riesenbeck Konkurrenz machen. Ist das jetzt Schnee von gestern?
Sahle: Wir sind uns eigentlich nie in die Quere gekommen. Die Riesenbecker richten ja das Deutsche Fahrderby für Vierspänner-Pferde aus, wir hingegen haben uns ja weitgehend auf die Ein- und Zweispänner und auf die Vierspänner-Ponys sowie auf die Weltmeisterschaften mit Behinderung konzentriert. Man kann durchaus sagen, dass sich zwei Vereine im Münsterland im Fahrsport etabliert haben. Wir haben uns nie eine Bewerbung abgejagt, und es hat auch niemals eine Konkurrenzveranstaltung gegeben.
Auf was freuen Sie sich denn jetzt am meisten?
Sahle: Wenn meine Familie mit Enkelkindern beschenkt würde (lacht). Ich habe mir schon die komplette Kinderserie der Augsburger Puppenkiste zugelegt. Nein, im Ernst. Ich kann mich jetzt mehr meinem Fahrsport-Hobby rein sportlich widmen. Außerdem habe ich ja noch mit dem Beat-Club einiges zu tun, der hat sich ja in den vergangenen Monaten fulminant entwickelt. Die Zeit, die ich bisher dem Reit- und Fahrverein St. Martin Greven-Bockholt geopfert habe, wird jetzt schon vom Beatclub angeknabbert.
Quelle: Westfälische Nachrichten vom 02.03.2010